Wasserstoff aus dem Ostseeraum: Netzbetreiber beschleunigen Ausbau

17. Juni 2024 | Neun Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) aus Ostsee-Anrainerstaaten wollen eine gemeinsame Wasserstoffinfrastruktur etablieren. Dazu haben sie heute (17. Juni) eine Absichtserklärung unterzeichnet. Fortan wollen die FNB den Aufbau eines H2-Netzes rund um die Ostsee bis zum Jahr 2030 koordinieren und den regionalen Handel mit Wasserstoff fördern. Vier große Projekte befinden sich bereits in der Pipeline.

Die Absichtserklärung regle die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen FNB im Ostseeraum, meldete der beteiligte Netzbetreiber Gascade am Montag (17. Juni). Weiterhin sind Gaz System (Polen), Elering (Estland), Energinet (Dänemark), Gasgrid Vetyverkot (Finnland), Amber Grid (Litauen), Nordion Energi (Schweden), Conexus Baltic Grid (Letland) sowie Ontras aus Deutschland Teil des Abkommens.

Ziel der Partner sei die Entwicklung der Wasserstoff-Wirtschaft in der Region. Hierfür werde man gemeinsame Infrastrukturprojekte für Transport und Speicherung von Wasserstoff im Ostseeraum aufsetzen. Darüber hinaus werde die Gruppe sich über die Entwicklung des Wasserstoff-Marktes und Projekte zu Erzeugung und Verbrauch informieren. Nach eigenen Angaben arbeiten die Unternehmen dabei in enger Abstimmung mit der EU-Gruppe BEMIP (Baltic Energy Market Interconnection Plan).  Ein erstes H2-Pipelinenetz soll bis 2030 Finnland, Schweden, die baltischen Staaten, Polen und Deutschland abdecken.

„Wir freuen uns, Teil dieser wichtigen und notwendigen Zusammenarbeit zwischen den Fernleitungsnetzbetreibern im Ostseeraum zu sein. Die Wasserstoff-Infrastruktur in und um die Ostsee muss auf integrierte Weise geplant und gebaut werden. Nur so kann das Wasserstoff-Potenzial vor unserer Haustür genutzt werden – sowohl onshore als auch offshore“, sagte Gascade-Geschäftsführer Ulrich Benterbusch.

Gute Bedingungen für die Wasserstoffproduktion

Die im Ostseeraum tätigen Unternehmen entwickelten derzeit eine übergreifende Wasserstoff-Pipeline-Infrastruktur, um das Potenzial zur Wasserstoffproduktion zu erschließen und den Energieträger aus den angebotsreichen Regionen in die Nachfragezentren zu bringen. Gascade zufolge könnte der Ostseeraum bis 2030 bis zu 45 % der im REPowerEU-Plan vorgesehenen Mengen an erneuerbarem Wasserstoff liefern. Dies erkläre sich unter anderem durch das „beträchtliche” Potenzial für Onshore- und Offshore-Windkraftanlagen.

Die Entwicklung des Pipeline-Netzes unterstütze dabei die Verwirklichung des REPowerEU-Plans und die Ziele der Erklärung von Marienborg, die die Premierminister der Ostsee-Anrainerstaaten im September 2022 unterzeichnet hatten. Darin hatten sie festgehalten, „gemeinsame grenzüberschreitende Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien zu erkunden und den Infrastrukturbedarf zu ermitteln.

Sowohl die EU-Agenda als auch die Erklärung von Marienborg sollen die Abhängigkeit Europas von fossilen Brennstoffen aus Russland verringern. Darüber hinaus könnten sie das Erreichen der europäischen Klimaziele befördern und die Resilienz des europäischen Energiesystems erhöhen. Die Entwicklung des Produktions- und Nutzungspotenzials von Wasserstoff sei eines der Schlüsselelemente zur Erreichung all dieser Ziele, heißt es von Gascade. Durch die Bündelung ihrer Kräfte könnten die Ostsee-FNB zu diesem Prozess beitragen-

Wasserstoffprojekte im Ostseeraum

Die FNB haben mehrere Studien zur Entwicklung grenzüberschreitender Wasserstoffprojekte in Auftrag gegeben. Zuletzt hatte Gascade vor rund einem Monat eine durch die norwegische Beratungsfirma DNV erarbeite Studie veröffentlicht.

Derzeit gibt es vor allem vier wichtige grenzüberschreitende Wasserstoffprojekte im Ostseeraum:

den nordisch-baltischen Wasserstoff-Korridor
den Baltic Sea Hydrogen Collector
den dem Interconnector Bornholm-Lubmin und die
Nordic Hydrogen Route

Darüber hinaus planen die Gasnetzbetreiber weitere Projekte für grenzüberschreitende Verbindungsleitungen sowie inländische Backbones und Wasserstoff-Speicher.

 

(Quelle: Gascade/2024)

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