Wasserstoff-Wissen steigert Akzeptanz: Unternehmens-Workshop in Castrop-Rauxel

27. Mai 2024 | Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein der Energie- und Wärmewende. Um hier konkrete Ergebnisse zu erzielen, sind unter der Initiative H2!Raum – Mittelstand Ruhr 2030 auch einige Werkstattprojekte angegliedert. Unter anderem das Verbundprojekt H2!Reallabor Castrop-Rauxel. Dort fand jetzt ein Unternehmens-Workshop statt. Mehr dazu lesen Sie in unserem H2News-exklusiven Fachartikel von Saskia Stuhrmann, Fraunhofer IEG.

Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein der Energie- und Wärmewende. Um hier konkrete Ergebnisse zu erzielen, sind unter der Initiative H2!Raum – Mittelstand Ruhr 2030 auch einige Werkstattprojekte angegliedert. Unter anderem das Verbundprojekt H2!Reallabor Castrop-Rauxel. Dort fand jetzt ein Unternehmens-Workshop statt.

Das Reallabor ist Anfang des Jahres gestartet und wird die Stadt Castrop-Rauxel im Hinblick auf die Nutzung von Wasserstoff untersuchen, dafür die momentane Situation erfassen, analysieren, simulieren und daraus Szenarien für die Transformation entwickeln. Dafür arbeiten die drei Projektpartner Fraunhofer IEG, Westfälische Hochschule und die Gelsenwasser AG eng zusammen. Ziel ist es, vorhandene Hürden aber auch Möglichkeiten der regionalen Wasserstoffnutzung zu identifizieren. Abschließend will das Projektteam konkrete Handlungsempfehlungen zunächst für den Standort Castrop-Rauxel geben, die – falls möglich – auch auf andere Kommunen ausgeweitet werden sollen.

Großes Interesse bei lokalen Unternehmen

Im Rahmen eines ersten Unternehmens-Workshop in Castrop-Rauxel hat das Projektteam zunächst den Status quo abgefragt. Zur Begrüßung betonte Bürgermeister Raijko Kravanja die Relevanz des Reallabors für die Stadt: „Ich freue mich ganz besonders, dass so viele Unternehmen in Castrop-Rauxel Interesse haben, bei diesem wichtigen Thema engagiert mitzuwirken.“ Neben den Vertretern der Projektpartner waren ungefähr zwanzig Unternehmen aus Castrop-Rauxel präsent. Die Anwesenden bildeten einen breiten Querschnitt durch alle Unternehmen in Castrop-Rauxel. Neben vielen mittelständischen Unternehmen aus dem Handwerk, der Logistik oder der Materialherstellung war auch ein Chemieunternehmen vertreten.

Diskussion in drei Themenbereichen

Nach einer kurzen Vorstellung des Projektes und einem Ausblick auf die Handlungsschritte und Ziele, haben die drei Teilprojektleiter Prof. Clemens Pollerberg, Philipp Schroer und Klaus Mengesdorf die Unternehmensvertreter*innen dazu angeregt, sich über das Thema Wasserstoff im Hinblick auf ihr Unternehmen auszutauschen. Die Teilnehmenden diskutierten angeregt zu den Themen Industrieprozesse und Prozesswärme, Mobilität und Erzeugung sowie Speicherung und Verteilung. Anschließend konnten die Teilprojektleiter ein erstes Stimmungsbild zusammentragen.

Diskussionsrunde mit Unternehmensvertretern (© Fraunhofer IEG)

Größte Hürde: Planungssicherheit

Als eine der größten Hürden sahen Unternehmer*innen vor allem die fehlende Planungssicherheit. Da bisherige Konzepte der Strom- und Wärmeversorgung schon etabliert seien und gut funktionierten, wünschen sich viele Unternehmensvertreter*innen Rahmenbedingungen und Vorgaben aus der Politik, die eine Umstellung auf Wasserstoff erleichtern würde. Zudem äußerten sie die Sorge, dass die momentan noch hohen Preise von grünem Wasserstoff und anderen erneuerbaren Alternativen die lokale Wettbewerbsfähig schwächen könnte. Auch die bisher niedrige Verfügbarkeit und fehlende Infrastruktur für Wasserstofftechnologien haben sie kritisch betrachtet.

Wasserstoff schafft Energiesicherheit

Andererseits haben die Unternehmensvertreter*innen auch sehr differenzierte Potentiale für den Einsatz von grünem Wasserstoff ausgemacht. Für die meisten besonders hervorzuheben, war der Vorteil der kontinuierlichen Energieversorgung mit Wasserstoff, der in Phasen geringer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zur Versorgungssicherheit in Deutschland beiträgt. Bei der Nutzung von grünem Wasserstoff sahen sie auch den Nachhaltigkeitsaspekt der Emissionsreduktion als wesentlicher Faktor an. Außerdem könnte in Castrop-Rauxel die schon vorhandene Infrastruktur (Pipeline von Air Liquide) genutzt werden. Dadurch könnten Unternehmen schon sehr bald an eine kontinuierliche Wasserstoffversorgung angeschlossen werden. Neben der Industrie in Castrop-Rauxel sahen die Teilnehmenden auch Potentiale bei wasserstoffbetriebenen LKWs in der Logistik oder bei Wasserstoff-Bussen im Stadtgebiet.

Akzeptanz durch Wissen

Eine anonyme Umfrage, die das Projektteam während des Workshops durchführte, hat zudem einen Eindruck von der Akzeptanz der neuen Technologien verschafft. So ergab die technische Akzeptanzanalyse, dass erste Erfahrungen und vorhandenes Grundwissen über Wasserstoffthemen einen hohen Einfluss auf die Akzeptanz der neuen Technologien haben. Philipp Schroer, Projektleiter seitens Fraunhofer IEG, betont: „Das zeigt, wie wichtig Reallabore für die Transformation der Energieversorgung sind. Hier werden reale Erfahrungen gemacht, die schließlich zum Verständnis und einer Akzeptanz der neuen Technologien beitragen“. Klaus Mengesdorf, von der Gelsenwasser AG, fasst weiter zusammen: „Insbesondere Personen mit Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Technologien zeigen eine erhöhte Tendenz, die Machbarkeit ihrer Integration zu erkennen. Zudem ist die Investitionsbereitschaft in Wasserstoff stark mit einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit verbunden, insbesondere hinsichtlich der Kundenbedürfnisse.“

Großes Interesse am Thema Wasserstoff

Diese Ergebnisse zeigen, dass ein großer Optimismus unter den Teilnehmenden vorherrscht, was Planungs- und spätere Umsetzungsprozesse deutlich erleichtert dürfte. Insgesamt bewertete das Projektteam den Workshop als vollen Erfolg. Das Interesse am Thema Wasserstoff sei in Castrop-Rauxel sehr groß. Die Bereitschaft eine Umstellung vorzunehmen und sich weiter zum Thema zu informieren, sei spürbar gewesen. Im nächsten Schritt wird Philipp Schroer Interviews mit einzelnen Unternehmer*innen durchführen, um individuelle Hürden, Wünsche und Ideen zu analysieren. Viele der angesprochenen Hürden und Potentiale sind mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf andere Kommunen übertragbar. Das Projekt H2!Reallabor Castrop-Rauxel wird die Stadt bei den bevorstehenden Transformationsprozess unterstützen und kann damit auch als Beispiel für andere Kommunen in Deutschland genutzt werden.

Autorin: Saskia Stuhrmann, Fraunhofer IEG (© Fraunhofer IEG)

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