Premiere in der Schweiz: Erste Wasserstoff-PE-Pipeline im Jura
INRAG AG realisiert im Schweizer Jura ein Pionierprojekt von historischer Bedeutung: Die erste Niederdruck-Wasserstoff-Pipeline aus Polyethylen (PE) in der Schweiz. Der erste Bauabschnitt wurde im November 2024 erfolgreich abgeschlossen, wobei 400 Meter der insgesamt 1.200 Meter langen Leitung verlegt wurden.
Grüner Wasserstoff aus Holzabfällen
Das innovative Projekt verbindet die geplante Holz-Pyrolyse-Anlage der H2 Bois SA mit industriellen Verbrauchern im Industriegebiet. Die Anlage wird ab Mitte 2026 grünen Wasserstoff aus Abfallprodukten der Forst- und Holzwirtschaft produzieren – ein wichtiger Beitrag zum Netto-Null-Ziel der Schweiz.
Die H2 Bois SA, ein Gemeinschaftsunternehmen der Groupe Corbat und des Büros Planair, nutzt dabei ein Thermolyse-Verfahren zur Aufspaltung von Holz in Kohlenstoff- und Wasserstoffmoleküle. Seit Anfang 2025 ist auch die Romande Energie als Minderheitsaktionärin beteiligt, um ihre Rolle in der Dekarbonisierung zu stärken.
PE statt Metall: Innovative Rohrleitungslösung
INRAG AG, mit 50-jähriger Expertise im Rohrleitungs- und Anlagenbau, entschied sich für eine PE-Lösung statt Metallrohre. Der Grund: Die Leitung verläuft teilweise parallel zur Bahnlinie, wodurch vagabundierende Bahnströme bei Metallrohren eine galvanische Trennung erforderlich gemacht hätten.
Die in Zusammenarbeit mit Soluforce verlegten PE-Rohre (4 Zoll, DN 100) bieten entscheidende Vorteile:
- Wasserstoffdicht und korrosionsbeständig – Langlebige Materialien für sicheren H₂-Transport
- Flexibel, leicht und gut transportierbar – Einfache Handhabung auf der Baustelle
- Schnelle Verlegung durch 400-Meter-Rollen – Effiziente Installation ohne Verbindungsstellen
- Wartungsfrei ohne Verbindungsstellen – Reduzierte Betriebskosten
- Zertifiziert für 5 bar Betriebsdruck – Sichere Niederdruckverteilung
Durchdachte Infrastruktur
Die bereits errichteten Verteilerbauwerke aus Beton sind im Abstand von exakt 400 Metern platziert – entsprechend der Länge einer PE-Rohr-Trommel. Diese intelligente Planung ermöglicht eine nahtlose Verlegung ohne Verbindungsstellen im Erdreich. Die Bauwerke nehmen künftige Abzweigungen zu Verbrauchern und Armaturen auf und ermöglichen einfache Wartungskontrollen durch Begehung.
Komplettlösung als H₂-Systemintegrator
Als H₂-Systemintegrator liefert INRAG nicht nur die Rohrleitung, sondern auch die Steuerungstechnik und alle sicherheitsrelevanten Bauteile. Die finale Inbetriebnahme erfolgt parallel zum Bau der Holz-Pyrolyse-Anlage, wobei Armaturen, Automationssystem und Software komplett installiert und in Betrieb genommen werden. Die Fertigstellung ist für 2026 geplant.