Typische Qualifikationsanforderungen

Die aufstrebene Wasserstoff-Wirtschaft bietet eine Vielzahl an neuen Berufsbildern und Qualifikationsanforderungen. Wasserstoff ist ein Gefahrgut, Erzeugungs- und Nutzungstechnolgie basiert oftmals auf elektro-chemischen Prozessen und die wirtschaftlichen Anforderungen an diese, innovativen Technologien sind aufgrund junger technologischer Reifegrade und anfänglichen Markthochläufe einzelner Bereiche komplexen Dynamiken ausgesetzt.

HYDROMEX gibt im Folgenden einen Überblick über typische Qualifikationsanforderungen an Fachkräfte entlang der Wasserstoff-Wertschöpfung. Aufgrund sich ändernder Regelwerke und der angestrebten, tiefgreifenden Verankerung der Wasserstoff-Technologien in bestehene Strukturen müssen in den kommenden Jahren viele Richtlinien, Gesetze und Verordnungen angepasst und erweitert werden was wiederum Auswirkungen auf die Qualifikationsanforderungen von Fachkräften haben wird. Die dargestellten Informationen dienen somit lediglich dazu, eine initiale Übesicht zu erlangen und bei weiteren Recherchen zu unterstützen.

Allgemeine Qualifikationsanforderungen für Fachkräfte

Allgemein
Die technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekannt gegeben und konkretisieren die Inhalte der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Werden die Anforderungen der TRBS erfüllt, kann davon ausgegangen werden, dass die Anforderungen der BetrSichV erfüllt werden. Alternativ können auch andere Lösungen gewählt werden, die jedoch mindestens die gleiche Sicherheit und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen müssen. In der TRBS 1203 sowie in Anhang 2 BetrSichV werden die Anforderungen an zur Prüfung befähigte Personen beschrieben. Eine „befähigte Person“ nach § 2 Absatz 6 BetrSichV ist für die Prüfung von bestimmten Arbeitsmitteln (vgl. § 14 BetrSichV und Anhang 3) zuständig. Für den Wasserstoffsektor sind insbesondere die in Anhang 2 BetrSichV genannten Explosionsgefährdungen und Druckanlagen sowie eventuell Flüssiggasanlagen und Arbeitsmittel mit elektrischen/hydraulischen Komponenten von Relevanz. Die Anforderungen an die befähigte Person sind im Einzelfall zu prüfen. Die Teilnahme an Schulungen oder Unterweisungen ist im Bereich des Explosionsschutzes sowie bei Druckgefährdungen in Anhang 2 Abschnitt 3 bzw. 4 Absatz 3 BetrSichV explizit gefordert.

Wartung und Instandhaltung von Wasserstofferzeugungsanlagen

Wasserstofferzeugung
Für die Instandhaltung von Wasserstoff-Einspeiseanlagen wurde das DVGW-Arbeitsblatt G 493-2 im Jahr 2019 bereits um die zusätzlichen Qualifikationsanforderungen der Fachleute für Wasserstoff ergänzt

Planung und Herstellung von Wasserstofferzeugungsanlagen

Wasserstofferzeugung
Die Qualifikationskriterien für die Planung und Herstellung von Gasanlagen werden in der DVGW G 493-1 festgelegt. Diese technische Regel befindet sich seit 2022 in der Überarbeitung, sodass zukünftig auch Wasserstoff mit abgedeckt sein wird.

Einspeisung von Wasserstoff in Gasversorgungsnetze

Wasserstoffbereitstellung und -logistik
Die Qualifikationsanforderung an Beschäftigte an Anlagen für die Einspeisung von Wasserstoff in Gasversorgungsnetze sind in dem DVGW Merkblatt G 265-3 näher beschrieben. Zusätzlich sind für Sachverständige das DVGW-Arbeitsblatt G 100 sowie eventuell § 11 Abs. 1 der Verordnung über Gashochdruckleitungen zu beachten. Für Befähigte Personen gelten die zuvor beschriebenen Anforderungen

Sachverständige

Wasserstoffbereitstellung und -logistik
Die Qualifikationsanforderungen an Sachverständige für Energieanlagen zur leitungsgebundenen Versorgung der Allgemeinheit mit Gas und Wasserstoff sind im DVGW Arbeitsblatt G100 festgeschrieben. Für Rohrfernleitungen gilt für Sachverständige § 6 der Rohrfernleitungsverordnung. Eventuell werden Sachverständige für Gashochdruckleitungen nach Gashochdruckleitungsverordnung (GasHDrLtgV) benötigt.

Logistikleistungen

Wasserstoffbereitstellung und -logistik
Wasserstoff gehört zu den Gefahrgütern nach der Gefahrstoffverordnung nach dem „Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße“ (franz. Abkürzung: ADR). Die Fahrer*innen müssen eine gültige ADR-Karte besitzen, die sie im Rahmen einer Schulung erwerben können. Zusätzlich ist evtl. ein*e Gefahrgutbeauftragte*r nach der Gefahrgutbeauftragtenverordnung vom Unternehmen zu bestellen.

Nutzung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge

Nutzung von Wasserstoff
Für das Bedienen von Fahrzeugen mit Gasantrieben ist nach DGUV FBHM-099 die Qualifizierungsstufe S erforderlich. Zusätzlich ist bei Brennstoffzellen-Fahrzeugen die Stufe S „Bedienen von Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen“ der DGUV Information 209-093 erforderlich. Die Qualifizierungen können in Form einer Unterweisung durch eine fachkundige Person erfolgen und berechtigen zum Führen und Betreiben des Fahrzeugs. Die Inhalte und Voraussetzungen sind in den jeweiligen Richtlinien nachzulesen.

Wartung und Instandhaltung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge

Nutzung von Wasserstoff
Für Arbeiten an Fahrzeugen mit Gasantrieb in Aftersales-/Servicebetrieben sind die Stufen S bis 3S nach DGUV FBHM-099 je nach auszuführender Tätigkeit vorgeschrieben. Zusätzlich sind bei Brennstoffzellen-Fahrzeugen die Stufen S bis 3S der DGUV Information 209-093 relevant.

Bau- und Umrüstung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge

Nutzung von Wasserstoff
Für Mitarbeitende in der Entwicklung und Fertigung sind die Stufen E bis 3E der Richtlinien DGUV FBHM-099 und DGUV 209-093 vorgeschrieben. Die Stufen unterscheiden sich in Inhalt und Umfang von den Servicebetrieben. Bei Unklarheiten zur Einordnung der Tätigkeiten in die Kategorien ist Rücksprache mit dem DGUV zu halten.

Anwendung von Wasserstoff in der Gebäudetechnik

Nutzung von Wasserstoff
In der Gebäudetechnik müssen die Anforderung der Technischen Regeln für Gasinstallationen (TRGI) beachtet werden. Demnach dürfen Gasgeräte mit Abgasanlage nur von im Installateurverzeichnis eingetragenen Installationsunternehmen in Betrieb genommen werden. Die TRGI gilt für alle Gase (außer Flüssiggas) nach DVGW-Arbeitsblatt G 260 in Gebäuden und auf Grundstücken von der Hauptabsperreinrichtung bis zur Abgasabführung. In der G 260 wurde Wasserstoff als eigene Gasfamilie definiert. In der DVGW G 640-2 werden die Anforderungen für die Installation von Brennstoffzellen-Heizgeräten beschrieben.

Anwendung von Wasserstoff in der Industrie

Nutzung von Wasserstoff
In der Industrie sollte insbesondere die in 2.5 beschriebene TRBS, sowie die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) beachtet werden. Eventuell lassen sich die Tätigkeiten in die zuvor beschriebenen Bereiche eingliedern. Je nach Tätigkeit ist die Berufung zur Verantwortlichen Person bzw. zur Prüfung befähigte Person notwendig. Hierbei sind entsprechende Kenntnisse vorzuweisen.

Gefahrenabwehr

Nutzung von Wasserstoff
Für Rettungs- und Löscharbeiten an PKW mit alternativer Antriebstechnik beschreibt die DGUV Information 205-022 die notwendige Vorgehensweise für gasbetriebene Fahrzeuge und geht dabei auch auf Wasserstoff ein. Der Leitfaden für Feuerwehren „Wasserstoff und dessen Gefahren“ enthält ebenfalls Empfehlungen zur Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit Wasserstoff.

Werden Sie Teil der HYDROMEX Community